In der jüngsten Eskalation des Handelskonflikts zwischen Kolumbien und Ecuador – nach anfänglichen Zöllen von 30 Prozent im Februar – trat am 1. Mai Ecuadors 100-Prozent-Zoll auf kolumbianische Produkte in Kraft, nachdem Kolumbien zuvor Zölle zwischen 35 und 75 Prozent auf 190 ecuadorianische Erzeugnisse erhoben hatte. Wirtschaftsverbände aus der Grenzregion berichten von einem Zusammenbruch des Handels und warnen vor einem Anstieg des Schmuggels inmitten gegenseitiger Vorwürfe wegen Drogenhandels.
Der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa kündigte den 100-Prozent-Zoll mit Wirkung zum Freitag, dem 1. Mai, an, ohne dabei spezifische Produkte zu nennen. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf Beschwerden über Kolumbiens Kontrollen gegen den Drogenhandel entlang der 586 Kilometer langen gemeinsamen Grenze sowie auf ein Handelsdefizit – Ecuador meldet für den Zeitraum Februar bis März 2026 einen Überschuss von 62,9 Millionen Dollar, verglichen mit einem Defizit von 146 Millionen Dollar zuvor.
Präsident Gustavo Petro wies die Vorwürfe zurück und verhängte am Donnerstag gestaffelte Zölle (35 bis 75 Prozent auf etwa 190 Produkte), bis Ecuador einlenkt. Handelsministerin Diana Marcela Morales bezeichnete die Maßnahme als „strukturiert, angemessen und differenziert, um die Auswirkungen zu minimieren“.
Der Handel ist massiv eingebrochen: Carlos Bastidas, Leiter des Schwerlastverbandes von Carchi, kritisierte die Entscheidung als eine „Laune“ beider Präsidenten; die Überquerungen an der Rumichaca-Brücke gingen am Freitag von 150 Lastwagen auf fünf zurück. Iván Flórez von der Handelskammer von Ipiales erklärte, dies komme „praktisch einer Schließung der Exporte gleich“.
Kolumbien setzte Energieexporte in das von Dürre betroffene Ecuador aus und entsandte 15.000 Soldaten an die Grenze. Beide Seiten erwarten nun den Verlust von Arbeitsplätzen und eine Zunahme des Schmuggels.