Im Kreis Plön gibt es seit der Schließung der Geburtsstation in der Klinik Preetz keine Entbindungsstation mehr. Geburtshäuser bieten eine natürliche Alternative zur Krankenhausgeburt. Sie legen Wert auf eine interventionfreie Geburt, stoßen jedoch bei Experten auf gemischte Bewertungen hinsichtlich Sicherheit.
Der Kreis Plön muss derzeit ohne Geburtsstation auskommen, nachdem der Kreißsaal in der Klinik Preetz geschlossen wurde. Immer mehr Kreißsäle in Schleswig-Holstein schließen, was werdende Eltern vor neue Herausforderungen stellt. Eine Alternative stellen Geburtshäuser dar, in denen der Fokus auf natürlichen Geburten ohne medizinische Eingriffe liegt.
„Die außerklinische Geburtshilfe ist besser als ihr Ruf“, betont Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbands Schleswig-Holstein. Diese Einrichtungen unterliegen einem strengen Qualitätsmanagement und setzen Voraussetzungen wie eine unauffällige Krankheitsgeschichte und eine komplikationslose Schwangerschaft voraus.
Hebamme Susanne Dahlinger aus Heikendorf, die an der Schön-Klinik in Rendsburg arbeitet, hebt die Vorteile hervor: Geburtshäuser wirken gemütlicher und vertrauter. Die Gebärenden lernen die begleitenden Hebammen im Voraus kennen, es gibt keinen Schichtwechsel während der Geburt, und es stehen mehr Optionen wie Geburtsseile oder Gebärwannen zur Verfügung.
Dennoch gibt es Kritikpunkte. Im Notfall fehlt ein ärztliches Team vor Ort, Schmerzmittel können nur begrenzt dosiert werden, und Geburten dürfen nicht eingeleitet werden. „Wichtig ist, dass das Geburtshaus in der Nähe einer Klinik liegt“, sagt Dahlinger. Chefarzt André Hohn der Frauenklinik am Städtischen Krankenhaus Kiel warnt: „Eine Geburt im Geburtshaus oder zu Hause kann ein wunderschönes Erlebnis sein. Man muss aber das Risiko abwägen, dass es fatale Folgen haben kann, wenn dabei etwas schiefgeht.“
Mehr Geburtshäuser seien keine Lösung für die angespannte Versorgungslage, da sie die Sicherheit nicht erhöhen und Risikoschwangerschaften nicht aufnehmen könnten, so Hohn.
In Schleswig-Holstein gibt es vier Geburtshäuser: in Lübeck (ca. 1,3 km zum UKSH), Bad Oldesloe (1 km zur Asklepios-Klinik), Twedt (11,4 km zum Helios-Klinikum Schleswig, seit März 2025) und Flensburg (2,4 km zum Diako-Krankenhaus). Im Kreis Plön und Kiel (geschlossen 2014) fehlen solche Einrichtungen. Alle bieten Kurse zur Vorbereitung, Rückbildung und Stillen an.
Hausgeburten mit freiberuflichen Hebammen sind ebenfalls möglich, bergen aber Risiken, wie Hohn betont.