Auf La Réunion sorgt eine Änderung zum Finanzhaushaltsentwurf 2026 für Kontroverse: Ein lokaler Aufschlag auf Spirituosen soll Alkoholismus bekämpfen. Regionalratspräsidentin Huguette Bello lehnt die Maßnahme ab, während öffentliche Gesundheitsexperten sie als kritisches Thema verteidigen.
Die Debatten über den Staatshaushalt 2026 haben Spannungen auf La Réunion entfacht, wo ein Vorschlag zur Erhöhung der Steuern auf lokalen Alkohol, insbesondere Rum, die Meinungen spaltet. Senator Stéphane Fouassin, aus dem diversen rechten Spektrum und Arzt von Beruf, hat einen Änderungsantrag eingebracht, um eine spezifische Aufschlagsteuer für La Réunion auf alle Spirituosen einzuführen. Diese Steuer wäre bei importierten Spirituosen höher und soll Präventionskampagnen finanzieren sowie den Alkoholkonsum auf der Insel eindämmen.
„Eine Frage der öffentlichen Gesundheit“, betont der Abgeordnete und hebt die verheerenden Auswirkungen des Alkoholismus vor Ort hervor. David Mété, Leiter des Suchtdienstes am CHU de Saint-Denis und Präsident der regionalen Suchtföderation, weist darauf hin, dass La Réunion in den schändlichen Ranglisten unter französischen Regionen bei alkoholbedingten Todesfällen an der Spitze liegt, mit rund 450 Todesopfern pro Jahr laut regionalem Gesundheitsobservatorium. Die Insel führt zudem bei Krankenhausaufenthalten wegen Alkoholmissbrauchs und weist eine hohe Prävalenz des fetalen Alkoholsyndroms auf.
Alkohol ist an 80 % der innerfamiliären Gewalt und 60 % der tödlichen Verkehrsunfälle beteiligt. Daraufhin forderte Huguette Bello, Präsidentin des Regionalrats, die Regierung auf, den Änderungsantrag abzulehnen, da er der lokalen Wirtschaft schade, ohne die Ursachen anzugehen. Obwohl der Änderungsantrag nicht im Nationalversammlung verabschiedet wurde, hat er die Diskussionen über Gesundheitspolitik in den Überseegebieten neu angefacht.