Die Debatten über den Haushalt 2026 in der französischen Nationalversammlung geraten ins Stocken, wobei ungewöhnliche Allianzen zwischen RN, PS und MoDem zu Steuererhöhungen in Höhe von insgesamt 34 Milliarden Euro innerhalb von 24 Stunden führen. Premierminister Sébastien Lecornu beschreibt die Situation als 'sehr unsicheren Ausdauerlauf', während der Generalberichterstatter Philippe Juvin es für sehr wahrscheinlich hält, dass der Text nicht rechtzeitig geprüft wird. Industrielle kritisieren eine Überbesteuerung, die die Reindustrialisierung bedroht.
Seit dem 24. Oktober 2025 ist die Prüfung des Haushaltsentwurfs für 2026 in der französischen Nationalversammlung von anhaltenden Blockaden im Einnahmenbereich geprägt. Die Truppen des Rassemblement national (RN) haben in einer Woche Erfolge aneinandergereiht und eine Steuer auf Multinationals in Höhe von geschätzten 26 Milliarden Euro sowie die Umwandlung der Immobilienvermögenssteuer (IFI) in eine 'Steuer auf unproduktives Vermögen' beschlossen. Am Freitagabend wurde eine Änderung des MoDem-Abgeordneten Marc Mattei, die vom Sozialisten Philippe Brun unterändert wurde, durch eine Allianz zwischen RN, Sozialistischer Partei (PS), MoDem und der Liot-Gruppe genehmigt. Ein RN-Abgeordneter freute sich: 'Wir haben 99% unserer Finanzvermögenssteuer über die Mouvement démocrate durchgebracht'.
Die Ablehnung der Zucman-Steuer am Freitag verschärfte die Spannungen, wobei noch über 2.000 Änderungsanträge zu prüfen sind. Sébastien Lecornu, der vor drei Wochen in Matignon bestätigt wurde, plädiert für eine 'Änderung der Methode' und trifft sich am Montag mit den Fraktionsvorsitzenden. Er sagte Le Parisien: 'Es ist ein sehr unsicherer Ausdauerlauf, in dem wir jederzeit stolpern können'. Sprecherin Maud Bregeon erinnerte daran, dass die Regierung 'unter der Vormundschaft der 577 Abgeordneten' steht.
Philippe Juvin (LR), Generalberichterstatter, hält es für 'sehr wahrscheinlich', dass die Versammlung nicht bis zum Ende durchhält, wobei eine Abstimmung über die Einnahmen möglich sein könnte, aber nicht über die Ausgaben. Die Debatten nehmen am Montag für einen Tag wieder auf, bevor das Gesetz zur Finanzierung der Sozialversicherung folgt. Der Text kehrt am 12. November zurück, mit elf Tagen, um ihn bis zum 23. an den Senat zu senden.
Neunzig Industrielle aus Sektoren wie Automobil und Luftfahrt warnen im Journal du Dimanche vor zusätzlichen Steuern in Höhe von über 10 Milliarden Euro und erklären: 'Man kann die Industrie nicht mit einer Hand begrüßen und mit der anderen ihr Grab schaufeln'. Industrieminister Sébastien Martin antwortet, dass Steuergerechtigkeit das Produktionswerkzeug nicht schwächen dürfe. Die endgültige Annahme des Haushalts bleibt bis Ende Dezember unsicher, möglicherweise über ein Sondergesetz.