Die EU-Kommission hat das geplante Verbrenner-Verbot für 2035 teilweise zurückgenommen, was laut einer Studie der Denkfabrik Transport & Environment zu höherem CO₂-Ausstoß und sinkenden E-Auto-Verkäufen führen könnte. Die ursprüngliche 100-Prozent-Reduktion des CO₂-Ausstoßes wurde auf 90 Prozent gemildert, wodurch der Anteil reiner Elektrofahrzeuge auf 85 Prozent sinkt. Experten befürchten Jobverluste in der deutschen Autoindustrie.
Die EU-Kommission sorgte Ende 2025 für Aufsehen, indem sie vom strikten Verbrenner-Aus abwich. Ursprünglich sollten Hersteller den CO₂-Ausstoß bis 2035 um 100 Prozent senken, was praktisch nur Elektroautos erlaubt hätte. Nun gilt eine Reduktion von 90 Prozent im Vergleich zu 2021, was den Anteil batteriebetriebener Elektrofahrzeuge auf 85 Prozent drückt. Dadurch dürfen weiterhin klassische Verbrenner, Hybride, Range-Extender-Fahrzeuge und Wasserstoffantriebe verkauft werden.
Eine Studie der Brüsseler Denkfabrik Transport & Environment (T&E), exklusiv dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegend, prognostiziert gravierende Folgen. Bis 2050 könnte der EU-Rückzieher einen zusätzlichen Ausstoß von 720 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent verursachen – eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber einem vollständigen Verbrenner-Aus. Die Berechnung umfasst Gutschriften für kohlenstoffarmen Stahl aus Europa, der weniger CO₂ in der Produktion emittiert als Importstahl aus China.
Im vergangenen Jahr wurden europaweit nach Angaben des Herstellerverbands Acea mehr Hybrid- und E-Autos als reine Verbrenner zugelassen, was Experten auf das geplante Verbot zurückführten. Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, kritisiert: „Als würde man auf mehrere Pferde wetten, wenn nur noch ein Pferd im Rennen ist.“ Er warnt, dass unter dem Deckmantel der Technologieoffenheit Investitionen in veraltete Technologien umgeleitet werden, was der Wirtschaft und dem Klima schadet. Bock befürchtet: „So verlieren wir den Anschluss und langfristig noch mehr Arbeitsplätze in der deutschen Schlüsselindustrie.“
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) widerspricht: „Es gebe kein Aus vom Verbrenner-Aus“, sagte er in einem Interview mit „Auto, Motor und Sport“. Er warnte Automanager: „Wenn unsere Automanager das glauben würden, wäre das ein großer Fehler.“ Die Studie unterstreicht die Spannungen zwischen Klimazielen und Industrieinteressen.