David Szalay, dessen Roman „Flesh“ den Booker Prize gewonnen hat, besucht Australien im Vorfeld seiner Auftritte bei den Literaturfestivals in Melbourne und Sydney. Der Autor sprach in einem kürzlichen Interview über sein nomadisches Leben und die Inspirationen hinter seinem preisgekrönten Buch. Szalays Werk zeichnet die wurzellose Reise eines ungarischen Mannes nach, eingebettet in Themen wie Vertreibung und Gewalt.
David Szalay, 1974 als Sohn einer kanadischen Mutter und eines ungarisch-kanadischen Vaters geboren, hat ein Leben voller ständiger Veränderungen geführt. Seine Familie zog von Montreal nach Beirut und später nach London, als er noch ein Baby war. In seinen 30ern verließ Szalay London in Richtung Brüssel und zog 2009 weiter nach Ungarn, wo er seine in Deutschland geborene Frau kennenlernte. Vor Kurzem ist das Paar nach Wien gezogen, unter anderem aufgrund des Unbehagens über das politische Klima in Ungarn unter der dortigen Regierung, so Szalay. Er begann mit dem Schreiben von „Flesh“, als er in Ungarn lebte, und nutzte dabei sein Gefühl, zwischen den Kulturen hin- und hergerissen zu sein. „Ich lebte bereits seit einigen Jahren in Ungarn, fühlte mich dort aber nicht vollständig zu Hause“, erklärte Szalay und verwies auf seine begrenzten Ungarischkenntnisse und die wachsende Distanz zu England. Der Roman folgt István, einem jungen ungarischen Mann, vom 15. Lebensjahr bis in seine 40er, während er von Ungarn nach England zieht. Er beginnt mit Istváns Grooming und seiner missbräuchlichen Beziehung zu einem Nachbarn, was zu Gewalt sowie Aufenthalten in einer Jugendstrafanstalt und im Irakkrieg führt. Später, als Sicherheitsmitarbeiter in London, betritt er nach einer Affäre mit Helen, der Frau seines Arbeitgebers, die Welt der Elite. Der Vorsitzende der Booker-Jury, Roddy Doyle, lobte das Buch dafür, dass es sich auf einen „Arbeitermenschen“ konzentriere und „die weißen Stellen auf der Seite so geschickt nutze“, was die Leser dazu einlade, die Lücken selbst zu füllen. Szalay wählte einen schnörkellosen, sachlichen Prosa-Stil, den er für seine früheren Radio-Kurzgeschichten zu seinem Roman „Turbulence“ verfeinert hatte, um eine implizite emotionale Wirkung zu maximieren. „Jedes Wort zählt; die Räume zwischen den Wörtern zählen“, bemerkte Doyle. Zu seinen früheren Werken zählen das 2016 für den Booker Prize nominierte „All That Man Is“ und „Turbulence“ aus dem Jahr 2018. Szalay plant Festivalauftritte in Melbourne vom 7. bis 10. Mai und in Sydney vom 17. bis 24. Mai.