Der Nord-Ostsee-Kanal verzeichnet rückläufige Schiffs- und Ladungszahlen aufgrund von Sanktionen gegen Russland. Der Jahresbericht, der am Donnerstag vorgestellt wurde, zeigt einen Rückgang der transportierten Ladung auf 69,5 Millionen Tonnen. Die Initiative Kiel-Canal fordert Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Wasserstraße.
Der Nord-Ostsee-Kanal, eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, kämpft mit mehreren Herausforderungen. Laut dem am Donnerstag vorgelegten Jahresbericht sank die transportierte Ladung im vergangenen Jahr auf 69,5 Millionen Tonnen, verglichen mit 75,6 Millionen Tonnen im Jahr 2024. Heiko Böschen, Leiter der Unterabteilung Seeschifffahrt der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt (GDWS), nannte dies ein „respektables Ergebnis“ angesichts der eingebrochenen Russland-Verkehre.
Die Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg in der Ukraine sind der Hauptgrund. Im vergangenen Jahr fuhren nur 531 Schiffe zu oder von russischen Häfen und transportierten 1,85 Millionen Tonnen Ladung über den Kanal. Im Jahr 2021 waren es noch 2771 Schiffe mit über 14 Millionen Tonnen.
Die Zahl der Schiffspassagen fiel auf 22.262, ein Minus von 10,5 Prozent gegenüber 24.866 im Vorjahr. Die Bruttoraumzahl stieg jedoch auf 5750 von 5688, da Schiffe größer werden. Böschen erklärte: „Die reine Zahl der Schiffe ist für die Bilanz des NOK nicht relevant, denn kleine Schiffe transportieren weniger Ladung.“ Auch Sportboote nahmen ab: 10.685 im vergangenen Jahr gegenüber 11.542 zuvor.
Positiv: Investitionen beliefen sich auf 246 Millionen Euro, die zweithöchste Summe nach 297 Millionen im Vorjahr, wie Martin Boll vom Dezernat Management Küste berichtete. Dazu kommen 71 Millionen Euro des Bundes für Erhalt und Betrieb. Der Bau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel soll Ende 2026 abgeschlossen sein. Seit über 15 Jahren flossen rund eine Milliarde Euro in den Kanal, weitere zwei Milliarden sind geplant.
Die Initiative Kiel-Canal äußert Sorge. Vorsitzender Jens B. Knudsen fordert eine Vertiefung um mindestens einen Meter und eine strategische Trendwende: „Der Kanal ist für viele Reeder keine zwingende Route, sondern eine Option – und genau deshalb zählen Verlässlichkeit, Geschwindigkeit und Planbarkeit.“ Seit 2023 gilt ein Tempolimit von 12 Knoten, was Passagen verlängert und die Route um Skagen attraktiver macht. Knudsen mahnt: „Wenn der Kanal dauerhaft langsamer und weniger berechenbar bleibt, verliert er gegenüber der Alternativroute über Skagen an Attraktivität.“ Der erste Abschnitt der Oststreckenerweiterung wurde im November mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) freigegeben.