Montag als wochenstart in deutschland seit 1976

Bis 1975 begann die Woche in Deutschland traditionell am Sonntag, basierend auf jüdisch-christlichem Erbe. Seit dem 1. Januar 1976 gilt der Montag offiziell als Wochenanfang durch die Einführung der DIN-Norm 1355-1. Dieser Wechsel markiert einen kulturellen und normativen Wandel, der den Montag trotz seiner Unbeliebtheit zum ersten Tag macht.

Die Woche begann in Deutschland bis Ende 1975 am Sonntag um 0:00 Uhr und endete samstags um 24:00 Uhr, wie es der jüdisch-christlichen Tradition entsprach. Die Bibel fordert in Exodus 23:12: „Sechs Tage kannst du deine Arbeit verrichten, am siebten aber sollst du ruhen.“ Der Sabbat als siebter Tag machte den Sonntag zum ersten Arbeitstag; der Montag hieß im Hebräischen „Jom scheni“, der zweite Tag.

Am 1. Januar 1976 trat die Deutsche Industrienorm DIN 1355-1 in Kraft, die den Montag zum offiziellen Wochenstart erklärte. Dies verschob den Mittwoch vom exakten Wochenmittelpunkt. Noch 1949 beschrieb das Brockhaus-Lexikon den Montag als zweiten Wochentag. Der römische Kaiser Konstantin hatte bereits am 3. März 321 den Sonntag zum Ruhetag erklärt, doch kalendarisch blieb der Sonntag der Start – so in Ländern wie den USA, Kanada, Portugal, Brasilien und Indien.

Montage gelten als unbeliebt: Eine YouGov-Umfrage von März 2021 ergab, dass nur 1 Prozent der Deutschen sie mögen, gleichauf mit Dienstagen. Umgangssprachlich steht „Montagsstück“ für defekte Produkte, und der „Montagseffekt“ beschreibt schlechtere Börsenkurse. Lieder wie „I Don’t Like Mondays“ der Boomtown Rats (1979) spiegeln globalen Frust wider; das Stück basiert auf dem Amoklauf von Brenda Ann Spencer am 29. Januar 1979 in San Diego, bei dem sie sagte: „Ich mag keine Montage.“ Zwei starben, neun wurden verletzt.

Statistisch häufen sich Montagsunfälle: In Deutschland 18 Prozent aller Unfälle, sonntags nur 8,5 Prozent. Experte Milad Haghani von der University of New South Wales notiert mehr Arbeits-, Verkehrs- und Herzunfälle durch Wochenendübergang. Forscher der Universität Leipzig (2021) erklären: „Der Kontrast zwischen Sonntag und Montag führt aber unter Umständen dazu, dass der erste Tag der Arbeitswoche als schlimmster Tag in der Woche wahrgenommen wird.“ Auch der „Sonntagsblues“ stresst, wie Psychologin Bettina Löhr sagt: „Allein der Gedanke an die Arbeit kann schon eine Stressreaktion auslösen.“

In der DDR war der Montag seit 1949 Wochenstart, passend zur atheistischen Arbeitsideologie. Die Montagsdemonstrationen 1989 in Leipzig trugen zum Fall der SED-Herrschaft bei. Honoré de Balzac wird zugesprochen: „Der Montag ist nur dann schlimm, wenn du es zulässt.“

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