Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann hat die Wortwahl seiner Partei CDU in der Debatte über 'Lifestyle-Teilzeit' scharf kritisiert. Der CDU-Vize fordert mehr Fingerspitzengefühl und betont, dass die Deutschen fleißig seien. Er hält den Vorstoß des Wirtschaftsflügels für chancenlos.
Karl-Josef Laumann, seit 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen und stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender, hat in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) den jüngsten Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels kritisiert. Dieser fordert für den Bundesparteitag Mitte Februar, den gesetzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abzuschaffen und sie nur noch für Fälle wie Kinderbetreuung zu erlauben. Ziel ist es, Reduzierungen aus Bequemlichkeit einzudämmen, was als 'Lifestyle-Teilzeit' bezeichnet wird. Der Vorstoß hat viel Kritik ausgelöst. Laumann warnte: „Man sollte bei dem Thema aufpassen, wie man formuliert. Ich würde mir bei der Diskussion von dem einen oder anderen manchmal ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl wünschen.“ Er betonte: „Die Deutschen sind nicht faul. Die Deutschen sind nach wie vor sehr fleißig.“ Deutschland habe eine hohe Erwerbsquote und stehe im OECD-Vergleich bei den Jahresarbeitszeiten von Vollzeitkräften gut da, trotz hoher Teilzeitquote von rund 29 Prozent im Jahr 2024 – bei Frauen sogar 49 Prozent. Häufige Gründe seien Kinderbetreuung und Pflege Angehöriger, was Laumann als wertvolle, unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft sah: „Viele Menschen reduzieren ihre Arbeitsstunden, um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen. Und dafür habe ich nicht 'nur' Verständnis. Das ist auch unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft.“ Mehr als 85 Prozent der Pflegebedürftigen würden zu Hause versorgt. Laumann hielt den Antrag für nicht durchsetzbar: „Wir haben andere Probleme zu lösen, als über den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu diskutieren. Die Menschen sollten die Freiheit haben, solche Entscheidungen für sich zu treffen.“ Er räumte ein, dass es vereinzelte Fälle individueller Lebensgestaltung gebe, dies aber kein Massenphänomen sei. Zudem wünschten manche Teilzeitkräfte mehr Stunden, erhielten sie aber nicht, insbesondere im Niedriglohnsektor. Um mehr Arbeit zu fördern, plädierte Laumann für ein positives Arbeitsklima: „Wenn Beschäftigte zufrieden sind, sind sie meist auch seltener krank.“ Im breiteren Kontext diskutierte er laufende Sozialreformen wie Bürgergeld und Renten, die unbequeme Änderungen erfordern würden, um Wachstum zu sichern.