Sandra Rudolf (44), Zugbegleiterin im Regionalverkehr in Baden-Württemberg, beschreibt ihre Erfahrungen mit Gewalt am Arbeitsplatz nach dem Tod eines Kollegen durch einen Fahrgastangriff in Rheinland-Pfalz. Trotz mehrerer schwerer Vorfälle, bei denen sie aus dem Zug gestoßen wurde, geht sie weiterhin mit gemischten Gefühlen ihrer Arbeit nach und fordert mehr Sicherheit.
Sandra Rudolf arbeitet seit neun Jahren als Zugbegleiterin im Regionalverkehr in Baden-Württemberg. Nach dem tragischen Tod eines Schaffners in Rheinland-Pfalz, der an den Folgen eines Fahrgastangriffs starb, kehrte sie mit gemischten Gefühlen zur Arbeit zurück. „Mit gemischten Gefühlen, ich selbst habe auch schon mehrere Attacken erlebt“, sagt sie.
Vor zwei Jahren erlitt Rudolf bei einer Fahrkartenkontrolle eine Beckenprellung und eine Gehirnerschütterung, nachdem der Täter ohne Ausweis sie aus dem Zug stieß. Sechs Jahre zuvor wurde sie erneut geschubst, als sie einem Fahrgast mit Bus-Fahrschein erklärte, dass dieser für den Zug nicht gelte. „Dann weiß ich nur noch, dass eine Durchsage zum nächsten Halt kam, danach erinnere ich mich an nichts mehr. Ich lag zwischen Zug und Bahnsteigkante“, berichtet sie.
Im Alltag muss sie Beleidigungen und Spucken ertragen. „Das Alltägliche sind Beleidigungen, die manchmal auch ziemlich unter die Gürtellinie gehen. Bespuckt wurde ich auch schon“, beschreibt Rudolf. Die Furcht begleitet sie, doch sie lässt es sich nicht anmerken: „Im Hinterkopf ist es, aber man darf mit diesen Gedanken nicht einsteigen.“ Bei aggressiven Fahrgästen führt sie Gespräche und ruft bei Bedarf die Polizei.
Gewerkschaften kritisieren, dass Mitarbeiter oft allein unterwegs sind. „Wir sagen schon lange, dass wir zu zweit auf den Zügen sein sollten, das gibt mehr Sicherheit“, betont Rudolf. Zur Ausstattung gehören ein Prio-Ruf-Notrufgerät und Pfefferspray nach Schulung, doch sie ist zwiespältig: „Wenn ich es benutze, verteilt es sich durch die Klimaanlage im Wagen.“ Bodycams könnten abschrecken, aber aggressive Täter nicht beeindrucken. Ausgebildetes Sicherheitspersonal ist selten an Bord.
Übergriffe können jederzeit passieren, unabhängig von der Schicht. Die Täter ihrer Vorfälle wurden angezeigt, doch Gerichtsverhandlungen stehen aus. Rudolf bemerkt eine zunehmende Verrohung: „Früher hat man noch Respekt vor Uniformträgern gehabt.“ Dennoch genießt sie ihren Job: „Jeder Tag ist ein Abenteuer.“