Der SPD-Politiker Sebastian Fiedler kritisiert die Deutsche Bahn scharf wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen und sieht nun Berichte über seine Familie als Racheakt. Die Berichterstattung in der 'Bild' bezieht sich auf einen Vorfall im Juni 2025, bei dem Fiedlers Lebensgefährtin Britta Zur als DB-Sicherheitschefin handelte. Fraktionskollegen unterstützen Fiedler und bezweifeln den Zeitpunkt der Enthüllungen.
Sebastian Fiedler, SPD-Innenpolitiker und Kriminalhauptkommissar, hat kürzlich die Deutsche Bahn kritisiert. Nach dem gewaltsamen Tod des Zugbegleiters Serkan C. warf er dem neuen Konzernvorstand vor, zu wenig gegen steigende Angriffe auf Bahnpersonal zu unternehmen. In der 'Bild' bemängelte er die sieben Millionen Euro teure Werbekampagne mit Anke Engelke und sagte: „Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können.“
Nun wurde Fiedler selbst Ziel von 'Bild'-Berichten. Er sieht dies als Rache der Deutschen Bahn und schrieb auf LinkedIn: „Für MEINE (!) Kritik an der Deutschen Bahn AG wird meine Lebensgefährtin mit einer inhaltlich falschen und diffamierenden Berichterstattung überzogen.“ Die Berichte drehen sich um einen Vorfall im Juni 2025. Fiedler und seine Lebensgefährtin Britta Zur, ehemalige Polizeichefin von Gelsenkirchen und bis Ende Oktober 2025 Geschäftsführerin der DB Sicherheit, fuhren mit zwei Kindern von Sylt zurück nach Nordrhein-Westfalen. Der Intercity hielt in Heide (Schleswig-Holstein), da zu wenig Wasser für Notfälle an Bord war. Zur kontaktierte DB Sicherheit, und die Familie wechselte in einen Regionalzug nach Itzehoe. Dort wartete ein DB-Kleinbus, der sie zu einem Hamburger S-Bahnhof brachte, von wo aus sie den Hauptbahnhof und einen ICE erreichten.
Die 'Bild' titelte: „300 Fahrgäste gestrandet! Nur die Bahn-Sicherheitschefin stiehlt sich im Dienstwagen davon – und ist ihren Job los.“ Ein Folgeartikel fragte: „Dieser SPD-Politiker saß bei der Bahn-Managerin im Auto. Vermischt der Bundestagsabgeordnete Privates mit Beruflichem?“ Zur betonte auf LinkedIn, dass kein Fehlverhalten festgestellt wurde und die Mitfahrt im Kleinbus gegen keine Vorschriften verstoße. Ihre einvernehmliche Trennung vom Konzern stehe damit nicht in Zusammenhang. Sie und Fiedler vermuten, die Geschichte sei nach Fiedlers Kritik durchgestochen worden.
Es bleibt offen, ob Fiedler Zurs Rolle bei seiner Kritik erwähnen musste. Er sagte der 'Bild': „Es hat während der Arbeit meiner Lebensgefährtin keine politischen Themen gegeben, die zu Interessenkonflikten hätten führen können.“ SPD-Kollegen, darunter Parlamentarischer Geschäftsführer Dirk Wiese, unterstützen ihn. Wiese erklärte dem RND: „Mit Blick auf die jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe gegen meinen Kollegen Sebastian Fiedler muss die Führungsetage der Deutschen Bahn sich fragen lassen, warum diese ausgerechnet jetzt in Zusammenhang mit der berechtigten Kritik unserer Fraktion an den teuren Ausgaben in Sachen Werbespot Anke Engelke das Licht der Welt erblicken. Diese Dünnhäutigkeit wirkt befremdlich. Es scheint so, als ob ein angesehener Fachkollege öffentlich diskreditiert werden soll. Die Beziehung von Sebastian Fiedler zu Britta Zur ist lange bekannt. Da sie nicht mehr bei der Deutschen Bahn arbeitet, gibt es keine Grundlage für etwaige Interessenskonflikte.“
Fraktionsmitglieder vermuten, dass der Vorstand unter Bahnchefin Palla verhindern will, dass der Sicherheitsbereich aus dem Konzern herausgelöst und der Bundespolizei übertragen wird – eine Forderung, die SPD-Innenpolitiker wie Fiedler vor dem Sicherheitsgipfel am Freitag stellen.