In ihrem Debütroman 'Wo der Name wohnt' erforscht Ricarda Messner die Geheimnisse ihrer lettischen Wurzeln und den Verlust des Familiennamens Levitanus. Der Roman basiert auf ihrer eigenen Biografie, einschließlich der Immigrantenreise ihrer Familie 1971 und der Entdeckung dunkler Familiensekrete. Messner reflektiert über Namen, Erinnerung und die Stimmen der Toten.
Ricarda Messners erster Roman 'Wo der Name wohnt', erschienen bei Suhrkamp im Jahr 2025, dreht sich um den mütterlichen Familiennamen Levitanus. Die Ich-Erzählerin trauert um diesen Namen, der mit dem Tod ihrer Großmutter ausstirbt, und beantragt vergeblich eine Namensänderung bei den Berliner Behörden. 'Ich habe um den Namen wie um ein Gesicht getrauert, deshalb wollte ich ihn annehmen', erklärt Messner in einem Interview mit der ZEIT.
Die Geschichte beginnt in Berlin mit zwei benachbarten Häusern, Nummer 36 und 37, wo Messner mit ihrer Mutter und den Großeltern lebte. Ihre Familie floh 1971 aus Lettland in die Bundesrepublik. Statt einer linearen Erzählung wählt Messner eine überlagerte Zeitstruktur, um das Gestern im Heute spürbar zu machen. 'Mich interessiert, wo und wie das Gestern im Heute auftaucht', sagt sie.
Ein zentraler Moment ist die Entdeckung als 15-Jährige: Dokumente offenbaren, dass der Großteil der Familie ihres Großvaters 1941 in Riga von der deutschen und lettischen SS ermordet wurde. Messner integriert authentische Zeugenaussagen, die notariell beglaubigt sind, und lässt die Toten als Miterzähler wirken. Der Roman enthält Transkriptionen und Übersetzungen, um die Mehrsprachigkeit der Geschichte einzufangen.
Reisen nach Lettland mit der Familie prägten Messners Beobachtung der körperlichen Sprache ihrer Mutter in Riga. Obwohl die lettischen und russischen Sprachen verloren gingen, folgt sie den Geschichten nach. Das 170-seitige Buch kostet 23 Euro in Print und 19,99 Euro als E-Book.