In einem Interview mit der ZEIT spricht Rolf Zuckowski über den anhaltenden Erfolg seines Hits 'In der Weihnachtsbäckerei', der trotz Dominanz englischsprachiger Weihnachtsmusik in den Charts bestehen kann. Der 78-jährige Komponist betont, dass gemeinsames Singen kulturell wichtiger ist als die Sprache. Er reflektiert auch über Glauben und Melancholie in seiner Musik.
Rolf Zuckowski, 78 Jahre alt, wurde in einem gediegenen Club am Hamburger Hafen zu seinem Weihnachtsklassiker 'In der Weihnachtsbäckerei' befragt. Das Lied belegt aktuell Platz 20 in den Charts, hinter 19 englischsprachigen Titeln, und hält sich seit fast 40 Jahren. Zuckowski singt die erste Strophe, wann immer es um seine Kompositionen geht, und lächelt gütig.
Auf die Frage, ob der Song ein Volkslied geworden sei, antwortet er: "Im musikwissenschaftlichen Sinne werden ja Volkslieder erst so genannt, wenn der Autor nicht mehr lebt. Aber dass sich die Weihnachtsbäckerei auf dem Weg dorthin befindet, kann man schon sagen." Der Erfolg sei nicht beabsichtigt gewesen, um amerikanischer Musik entgegenzusetzen, sondern entstanden aus seiner adventlichen Stimmung. Das Lied appelliere nicht nur an Kinder, sondern mache Erwachsene in der Adventszeit wieder kindlich.
Ähnlich entstand sein Geburtstagslied 'Wie schön, dass du geboren bist' nach der Geburt seines zweiten Kindes, da er sich fragte, warum Kinder auf Englisch mit 'Happy Birthday' besungen werden. Zuckowski sieht das Problem nicht primär in der Sprache, sondern im Rückgang des gemeinsamen Singens: "Das gemeinschaftliche Singen ist ja ein Grundstein unserer Kultur, dabei entsteht eine höhere Stimmung, die uns als Gesellschaft zusammenbringt."
Englische Weihnachtslieder dienen oft als wohliger Hintergrund ohne Botschaft, während deutsche Texte zum Nachdenken anregen, besonders christliche. Seine Hits wie 'In der Weihnachtsbäckerei' und 'Es schneit' seien eigentlich Back- und Schneelieder, die vorweihnachtliche Euphorie einfangen, keine religiösen Weihnachtslieder über Christi Geburt.
In religiöseren Stücken wie 'Wär uns der Himmel immer so nah' oder 'Zeit der Wunder' mische sich Optimismus mit Melancholie, beeinflusst von ungarischen Wurzeln. Zuckowski folgt Jesu Beispiel in Fürsorge und Nächstenliebe, ringt jedoch mit Gott angesichts Leidens, etwa im Ukraine-Krieg. Dennoch stört es ihn nicht, als fröhlicher Kindersänger wahrgenommen zu werden.