Die Berliner Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth sieht politische Äußerungen von Musikern als zwiespältig an. Bassist Julian Hölting betont, dass solche Stimmen wichtig sind, aber nur die eigene Blase erreichen. Sänger Matthias Rohde plädiert für mehr Raum, Unwissenheit zuzugeben.
Die Mitglieder der Berliner Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth äußern sich in einem Interview mit dem Nachrichtenportal watson zu ihrer Haltung gegenüber politischen Positionierungen in der Musikszene. Bassist Julian Hölting beschreibt diese als ambivalent: „Einerseits habe ich das Gefühl, dass laute Stimmen aus einem nicht-rechten Lager gerade nötig sind und dass wir das viel mehr machen müssten“, so Hölting. Er ergänzt jedoch: „Auf der anderen Seite bin ich auch müde davon, weil dadurch keine echte Diskussion stattfindet. Man haut nur wieder in die gleiche Kerbe.“
Hölting betont, dass Bands wie seine keine AfD-Wähler erreichen würden: „Wir zum Beispiel werden keine AfD-Wähler mehr erreichen, da muss man sich als Band nichts vormachen. Deswegen frage ich mich oft, wie viel Sinn das überhaupt ergibt und ob es dabei nicht eher um das eigene Gewissen geht.“ Dies unterstreicht die Frustration über die Begrenztheit solcher Äußerungen auf die eigene Bubble.
Frontsänger Matthias Rohde teilt ähnliche Bedenken hinsichtlich der Erwartung an schnelle, klare Meinungen: „Ich bin genervt von diesem Gefühl, man müsste zu allem immer eine glasklare Meinung haben und die innerhalb von zwei Sekunden rausdonnern.“ Er fordert mehr Offenheit für Unsicherheit: „Es gehe darum, sich auch mal einzugestehen, dass man keine Ahnung habe. Dafür gibt es in der heutigen Welt nur noch wenig Raum, weil alles immer schneller funktionieren muss.“
Diese Reflexionen spiegeln die Herausforderungen wider, die Musiker in einer polarisierten politischen Landschaft erleben, ohne spezifische Handlungen der Band zu nennen.