Der brasilianische Oberste Wahlgerichtshof (TSE) muss entscheiden, ob der Rücktritt von Cláudio Castro ein Manöver war, um einer Amtsenthebung und einer indirekten Wahl in der gesetzgebenden Versammlung des Bundesstaates zu entgehen. Der ehemalige Abgeordnete Marcelo Freixo und eine Koalition haben Berufung eingelegt, um die Mandatsniederlegung des Ex-Gouverneurs für ungültig erklären zu lassen. Dies könnte zu einer direkten Volkswahl für seinen Nachfolger in Rio de Janeiro führen.
Brasiliens TSE hat eine Berufung des ehemaligen Abgeordneten Marcelo Freixo und der Koalition A Vida Vai Melhorar (PT, PCdoB, PV, PSDB, Cidadania, Rede, PSOL) gegen das Urteil erhalten, das Cláudio Castro (PL) wegen des Missbrauchs politischer und wirtschaftlicher Macht verurteilte. Der Fall betrifft die Einstellung von 27.600 Zeitarbeitern bei der Fundação Ceperj und der Uerj, was in der ersten Jahreshälfte 2022 Kosten von 519 Millionen Reais verursachte. Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass diese Mitarbeiter bei den Wahlen 2022 als Wahlhelfer fungierten.
Castro trat vor der formellen Amtsenthebung zurück, womit ihm zwar bis 2030 die Wählbarkeit entzogen wurde, er jedoch eine indirekte Wahl in der gesetzgebenden Versammlung von Rio de Janeiro (Alerj) ermöglichte, in der die PL den größten Block hält. Der Bundesstaat wird derzeit interimistisch vom Präsidenten des Justizgerichts, Ricardo Couto, regiert. Die Kläger behaupten, der Rücktritt sei 'falsch und betrügerisch, ein Zweckentfremdungsmanöver und ein offensichtlicher Rechtsmissbrauch' gewesen.
Die Anwälte Paulo Henrique Teles Fagundes und Victor Souza argumentieren, dass Castro den Weg für seine Verbündeten ebnete, indem er Gesetze zur indirekten Wahl sanktionierte und die Befugnisse des Casa Civil erweiterte. 'Cláudio Castro [...] versuchte, seinen politischen und administrativen Einfluss im Bundesstaat Rio de Janeiro aufrechtzuerhalten', heißt es in der Berufung.
Der Fall zieht Parallelen zur Amtsenthebung von Deltan Dallagnol durch den TSE gemäß dem Ficha-Limpa-Gesetz. Am Obersten Bundesgericht (STF) sind die Klagen der PSD zum Format der Nachwahl aufgrund eines Antrags von Minister Flávio Dino auf Akteneinsicht ausgesetzt. Die Minister Cármen Lúcia, André Mendonça und Kassio Nunes Marques halten ein Eingreifen des STF für verfrüht.