Der Vorstand von Volkswagen erhält trotz schwieriger Zeiten den vollen Jahresbonus, da plötzlich sechs Milliarden Euro Barmittel verfügbar sind. Der Betriebsrat fordert Aufklärung über diese unerwartete Entwicklung und kritisiert die Informationspolitik des Konzerns. Ein Spitzengespräch soll noch diese Woche stattfinden.
Im Volkswagen-Konzern stehen den Mitarbeitern in diesem Frühjahr sparsame Zeiten bevor: Die übliche Mai-Prämie wird in diesem und im nächsten Jahr gestrichen, um das Unternehmen in schwierigen Phasen zu unterstützen. Für den Vorstand gelten jedoch andere Regeln. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung erhält das Gremium den vollen Jahresbonus, da kürzlich sechs Milliarden Euro Barmittel in den Büchern stehen – weit über den Erwartungen.
Noch vor drei Wochen hatte VW-Finanzchef Arno Antlitz mit einem Netto-Cashflow von null Euro für das Geschäftsjahr gerechnet. Eine kürzliche Pflichtmitteilung des Konzerns stellte jedoch fest: "Damit liegen beide vorläufigen Kennzahlen wesentlich oberhalb der von der Volkswagen AG für das Geschäftsjahr 2025 erwarteten Werte von rund 0 Milliarden Euro für den Netto-Cashflow." Die maximale Bonusstufe wird ab 5,6 Milliarden Euro ausgelöst, sodass jedes Vorstandsmitglied bis zu 1,72 Millionen Euro zusätzlich erhält.
Der Betriebsrat ist verblüfft und fordert Erklärungen. "Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns", sagte ein Sprecher. Selbst andere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder seien von der Mitteilung überrascht worden, berichten anonyme Quellen. Das "Bonus-Wunder" entstand durch Maßnahmen wie das Verschieben von Entwicklungskosten aus dem Vorjahr, die Reduzierung von Lagerbeständen bis Jahresende und die Auflösung von Rückstellungen. Dadurch wurden Ausgaben lediglich verschoben, nicht eingespart.
Die Presseabteilung von VW äußert sich seit Freitag nicht zu dem Thema. Noch diese Woche soll ein klärendes Gespräch zwischen Betriebsrat und Konzernleitung stattfinden.