Nach dem Sieg gegen Spanien und dem Einzug in die EM-Hauptrunde hat Handball-Bundestrainer Alfred Gislason die Kritik des ehemaligen DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning zurückgewiesen. Nationalspieler Juri Knorr lobte den Isländer hingegen für seine Führungsart. Der Deutsche Handballbund äußert sich zu Gislasons Zukunft offen.
Die Handball-Europameisterschaft in Herning sorgt für hitzige Debatten um den deutschen Bundestrainer Alfred Gislason. Nach dem 34:27-Sieg über Spanien, der Deutschland als Gruppensieger in die Hauptrunde brachte, konterte der 66-jährige Isländer die Vorwürfe von Bob Hanning. „Vielleicht hätte er sich lieber ein bisschen mehr auf die Italiener konzentrieren sollen“, sagte Gislason mit einem Sieger-Grinsen. Hanning, nun Kolumnist bei der 'Bild'-Zeitung und Trainer der italienischen Nationalmannschaft, hatte nach der knappen 29:30-Niederlage Deutschlands gegen Serbien massiv kritisiert. „Es geht um die Zukunft dieser Mannschaft, es geht um die Zukunft des Bundestrainers und es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Sportart“, betonte er. Hanning bemängelte fehlende Struktur in der Defensive und kritisierte die Kadernutzung trotz breiter Auswahl.
Auch der Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar schloss sich der Kritik an. Bereits vor dem Turnier hatte Hanning Gislasons Nominierungen angegriffen, da Linksaußen Lukas Mertens und Rune Dahmke statt Berlins Tim Freihöfer berufen wurden. „Hier ist alles außer Kraft gesetzt worden, was Fairness und Inhalt angeht“, urteilte er. Gislason verteidigte sich: „Jeder sieht seinen Verein aus eigener Perspektive. Es ist aber schon ungewöhnlich, dass ein anderer Nationaltrainer unsere Entscheidungen öffentlich kritisiert.“ Mertens glänzte gegen Spanien, während Dahmke aufgrund einer Verletzung kaum zum Einsatz kam.
Während Deutschland mit maximaler Punkteausbeute voranschreitet, scheiterten Hannings Italiener nach Niederlagen gegen Island und Ungarn bereits in der Vorrunde – ihre erste EM-Teilnahme seit 1998. Nationalspieler Juri Knorr feierte Gislason: „Das beste Gefühl.“ Der DHB äußert sich zur Trainerzukunft jedoch zurückhaltend, trotz der Erfolge.