Bundesgesundheitsministerin Nina Warken fordert eine zügige Umsetzung des neuen Gesetzes zu Jahresrezepten für chronisch Kranke. Die Regelung soll unnötige Arztbesuche reduzieren, ohne zusätzliche Kosten für Kassen und Beitragszahler zu verursachen. Bisher fehlt es jedoch an einer konkreten Einigung über die Praxis.
Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von der CDU hat in einem Interview mit der Bild am Sonntag eine 'zügige Verständigung' in der Frage der Umsetzung von Jahresrezepten für chronisch Kranke gefordert. "Angesichts begrenzter Versorgungskapazitäten macht es Sinn, entbehrliche Arztkontakte und Wartezeiten zu reduzieren und die bisherige Quartalslogik für Chroniker zu überwinden", sagte sie. Warken erwartet, dass die Umsetzung bald steht, andernfalls werde im Rahmen der Rechtsaufsicht geprüft, welche Schritte nötig sind.
Das Gesetz, das chronisch Kranken ermöglicht, Rezepte nur noch einmal jährlich zu erneuern, wurde unter ihrem Vorgänger Karl Lauterbach von der SPD beschlossen. Ärzte und Krankenkassen zeigen sich grundsätzlich offen für die Reform, streiten aber um die genaue Ausgestaltung. Warken wird kritisiert, weil sie Pläne manchmal zu früh ankündigt.
Ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bezeichnete die Umstellung als 'komplexe Herausforderung', rechnet aber mit einer Vereinbarung im Frühjahr. Ähnlich äußerte sich der GKV-Spitzenverband: Co-Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis betonte, "Jahresrezepte als zusätzliche Möglichkeit finden wir gut und richtig". Dies spare unnötige Wege für Patienten und entlaste Praxen.
Der Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI-Institut schätzt, dass die Reform einen relevanten Teil der rund eine Milliarde jährlichen Arztkontakte reduzieren könnte – vermutlich eine siebenstellige Zahl, die auf der Quartalsregelung beruht.