Niedersachsen hat ein Verbot der Anbindehaltung von Rindern angekündigt, um Tierschutz zu verbessern. Eine Umfrage des RND zeigt, dass 14 von 16 Bundesländern ein solches Verbot befürworten, jedoch auf Bundesebene. Süddeutsche Länder lehnen es ab und warnen vor wirtschaftlichen Folgen.
Die Landesregierung in Niedersachsen plant ein landesweites Verbot der Anbindehaltung von Rindern aus Tierschutzgründen. Bei dieser Haltungsform werden Kühe im Stall angebunden, wodurch sie sich kaum bewegen und nicht umdrehen können. Anfang dieses Monats wurde ein Erlass an die kommunalen Veterinärbehörden erarbeitet, um die Praxis künftig zu untersagen.
Eine Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) unter allen 16 Landesregierungen ergab, dass 14 Bundesländer ein Verbot der Anbindehaltung befürworten. Dazu gehören unter anderem Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Berlin, Sachsen und Bremen. Das Landwirtschaftsministerium in Rheinland-Pfalz betont: „Das Normalverhalten von Rindern wird durch die Anbindehaltung fast vollständig unterdrückt“.
Andere Länder folgen dem Beispiel Niedersachsens jedoch nicht mit eigenen Regelungen. In Thüringen ist eine Allgemeinverfügung derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen plädiert die Mehrheit für eine bundesweite Lösung. Die Umweltbehörde in Hamburg erklärt: „Ein Flickenteppich verschiedener Länderregelungen ist hier nicht zielführend – der Schutz muss bundesweit gelten“. Schleswig-Holstein befürwortet ein Bundesverbot, warnt aber vor Wettbewerbsverzerrungen durch landesweite Maßnahmen: „Einzelne Länderregelungen schaffen keine einheitlichen Standards und können Wettbewerbsverzerrungen verursachen“.
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sieht darin Chancen: „Ich erwarte sogar im Gegenteil, dass sich der Ruf niedersächsischer Milch als Premium-Milch verfestigt“.
Eine bundesweite Verschärfung ist nicht absehbar. Bundesumweltminister Alois Rainer (CSU) hält sie für unnötig, da die ganzjährige Anbindehaltung ein Auslaufmodell sei. Süddeutsche Länder wie Baden-Württemberg und Bayern lehnen ein Verbot ab. In Regionen wie dem Schwarzwald oder der Schwäbischen Alb sei die Praxis verbreitet und trage zur Pflege von Landschaften bei. Bayern warnt: „Wer hier mit der Verbotskeule arbeitet, riskiert einen Strukturbruch, mit Folgen für Kulturlandschaft, Wertschöpfung im ländlichen Raum und den Tourismus“. Beide Länder wollen die Kombianbindehaltung erhalten, bei der Tiere täglich mindestens zwei Stunden Auslauf haben.