Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege warnen vor Kürzungen sozialer Angebote aufgrund finanzieller Engpässe. Mehr als 80 Prozent der Befragten erwarten Einschnitte bei Hilfen für Jugendliche, Ältere und Kranke. Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch kritisiert die Bundesregierung scharf und fordert mehr finanzielle Unterstützung.
In Berlin haben die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege Alarm geschlagen. Eine Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zeigt, dass mehr als 80 Prozent der Anbieter aufgrund der angespannten Finanzlage mit Kürzungen oder Einstellungen sozialer Angebote rechnen, wie Familien- und Gesundheitshilfen.
Die Diakonie ist einer der Betroffenen. Präsident Rüdiger Schuch äußerte scharfe Kritik an der Bundesregierung und forderte mehr finanzielles Engagement. „Wer soziale Arbeit bestellt, muss sie auch fair bezahlen“, sagte Schuch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir können Tarifsteigerungen und Inflation nicht durch höhere Effizienz wegzaubern – am Ende zahlen die Bedürftigen den Preis durch Leistungsabbau.“
Zu den betroffenen Verbänden gehören neben der Diakonie die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband, Caritas, das DRK und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Bei 65 Prozent der Befragten waren die Finanzierungsprobleme in den vergangenen zwei Jahren so groß, dass Angebote eingeschränkt werden mussten. Der Anteil derer, die Leistungen gänzlich streichen mussten, stieg im Vergleich zu 2024 um fünf Prozentpunkte auf 20 Prozent.
Schuch bezeichnete die Zahlen als alarmierend und warnte vor den Konsequenzen. Die Einrichtungen müssten Kürzungen dort vornehmen, wo es am meisten weh tue: bei der Hilfe für Menschen. „Sparen am Sozialen ist mit die teuerste Form der Haushaltskonsolidierung, denn die gesellschaftlichen Folgekosten einer gespaltenen Gesellschaft sind unbezahlbar“, sagte er. Er warf der Regierung vor, den Bezug zur Realität verloren zu haben. Die Diakonie betreue rund 34.000 Angebote und habe jährlich zehn Millionen Kontakte, wisse somit oft früher als Ministerien über Probleme Bescheid.
In der Wohlfahrtspflege funktioniere die Ökonomie anders als in der Industrie: Jeder investierte Staatseuro fließe direkt zu Bedürftigen und trage zu Zusammenhalt und Demokratie bei. Bedroht sei auch das ehrenamtliche Engagement, das die Regierung fördern wolle. Knapp 70 Prozent der Befragten erwarten einen Rückgang, wenn hauptamtliche Strukturen gekürzt würden. „Ohne professionelle Strukturen und Räume gibt es kein stabiles freiwilliges Engagement“, warnte Schuch.