Regierung verhängt doppelte Strafen für Bandenkriminalität trotz Kritik

Die schwedische Regierung treibt eine große Strafrechtsreform voran, die doppelte Strafen für Straftaten im Zusammenhang mit kriminellen Netzwerken vorsieht und in diesem Sommer in Kraft treten soll. Justizminister Gunnar Strömmer nennt es die größte Reform der Moderne, doch Forscher warnen vor fehlenden Beweisen für die Wirksamkeit und hohen Kosten.

Die schwedische Regierung unter Justizminister Gunnar Strömmer (M) legt ein umfassendes Strafrechtsreformpaket im Rahmen des Tidö-Abkommens vor. Die Reform umfasst Strafverschärfungen für etwa 50 Straftaten, die bedeutendste Änderung ist jedoch der Vorschlag doppelter Strafen für bandenbezogene Delikte. Diese Strafen gelten für Straftaten im Zusammenhang mit kriminellen Netzwerken, einschließlich Explosionen, Schießereien, Drogenhandel, Betrug und Straftaten gegen das Sozialsystem. Henrik Vinge (SD), Vorsitzender des Justizausschusses, erläutert: „Die Vorschrift greift weit und trifft alles von Explosionen, Schießereien, Drogenhandel, Betrug und Straftaten gegen das Sozialsystem.“ Grundsätzlich werden Strafen verdoppelt, das Niveau kann jedoch je nach individueller Verbindung zur Gruppe variieren. Beispielsweise könnte eine Serie schwerer Betrügereien im Bandenkontext zu sechs Jahren Haft statt drei führen, und Besitz einer geladenen Schusswaffe zu acht Jahren statt vier. Die Regeln decken organisierte Kriminalität sowie lose Netzwerke ab, einschließlich externer Personen, die Aufgaben erledigen. Vinge ergänzt: „Es geht nicht darum, zuerst zu prüfen, ob jemand ein Bandenkrimineller ist, sondern um die spezifische Tat und ob sie in einem organisierten Kontext begangen wurde.“ Weitere Änderungen umfassen lebenslange Haftstrafen für wiederholte schwere Vergewaltigungen sowie für extrem schwere Körperverletzungen und schwere Vergewaltigungen an Kindern. Strömmer betont einen Perspektivwechsel: „Diese große Überarbeitung basiert auf einem wichtigen Wandel – von einem einseitigen Fokus auf den Täter zu einem klareren Fokus auf die Opfer schwerer Kriminalität und den Bedarf der Gesellschaft, sich gegen schwere Kriminalität zu schützen.“ Er fügt hinzu: „Einfach gesagt: Wir wollen Kriminelle wegsperren, damit gesetzestreue Menschen sich sicher auf die Straße trauen.“ Die Regierung möchte die Gesetze am 3. Juli dieses Jahres in Kraft setzen, obwohl die ursprüngliche Untersuchung der Polizeichefin Petra Lundh auf 2028 hindeutete. Strömmer sagt: „Wir gehen davon aus, dass dies so umgesetzt werden kann, dass die Erweiterung des Strafvollzugs dazu passt.“ Kritik übt der dänische Kriminologe David Sausdal, der die Wirksamkeit anzweifelt: „Es gibt keine Beweise, dass die Maßnahme wirkt.“ Er warnt: „Sie kostet außergewöhnlich viel, und man bekommt wenig dafür.“ Die Reform umfasst zudem strengere Bewertung mehrerer Straftaten und verschärfte Haftprüfungsregeln.

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