Der Ökonom Peter Bofinger hält die SPD-Pläne zur Abschaffung des Ehegattensplittings für kein gutes Marketing. Er plädiert stattdessen für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 50 Prozent und warnt vor Überbewertung von Sozialreformen. In einem Berliner Gespräch äußerte er sich zu aktuellen wirtschaftspolitischen Ideen.
Peter Bofinger, der 71-jährige ehemalige Wirtschaftsweise und aktuelle Mitglied der Rentenkommission der Bundesregierung, äußerte sich in Berlin klar zu Steuer- und Sozialplänen der SPD.
Er kritisierte die Vorschläge von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), das Ehegattensplitting abzuschaffen. „Das ist für die SPD kein gutes Marketing“, sagte Bofinger. Auch eine Anhebung der Sozialbeiträge für Gutverdiener lehnt er ab, da Selbstständige und Beamte davon ausgenommen wären.
Besser sei es, den Spitzensteuersatz wieder auf 50 Prozent zu heben, riet der Ökonom. Zudem zweifelt er daran, dass Sozialreformen Deutschlands Strukturkrise lösen könnten. „Zu glauben, jetzt machen wir mal richtig Sozialreformen, bauen Bürokratie ab und dann läuft es wieder im Land, ist ein großer Irrglaube“, warnte er. „Das wird an unseren tieferliegenden wirtschaftlichen Problemen nichts Grundlegendes ändern.“
Bofinger bemängelte, dass Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) diese Punkte noch nicht verstanden habe.